Projektwoche 2020 - Wandel

Veröffentlicht in Aktuelles

Wandel - So lautete das Thema der Projektwoche in diesem Jahr. Dass es sich hierbei keinesfalls um eine leere Worthülse handelte, wure bereits vorab sehr deutlich. In insgesamt 40 Projekten fand eine Auseinandersetzung mit den verschiedensten Facetten dieses Begriffs statt. Das Schülersprecherteam zeigte bei der Einführungsveranstaltung einen Einblick in die vorbereitende Arbeit der SV und gab mit der gemeinsam gehaltenen Rede, die im Folgenden nachgelesen werden kann, dem Auftakt der Projektwoche zusammen mit den mitwirkenden Musikern einen angemessenen Rahmen. Vielen Dank dafür! 

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„Wer will dass die Welt so bleibt wie sie ist, der will nicht dass sie bleibt.“ (Erich Fried)

"Herzlich Willkommen zur Eingangsveranstaltung der Projektwoche. Wir freuen uns, dass die Projektwoche endlich beginnt. Wir sind dankbar dafür, dass ihr euch so viele tolle Projekte überlegt habt. Und wir sind stolz darauf, einigen Stimmen zeigen zu können, dass die Projektwoche eben doch nicht nur ein Kaffeekränzchen ist.

Die diesjährige Projektwoche läuft unter dem Oberthema „Wandel“ und da dieser Begriff sehr vielfältig füllbar ist, würden wir euch gerne kurz erzählen, was wir uns bei der Themenwahl gedacht haben und was wir uns darunter vorstellen. Das zu Anfang verlesene Zitat stammt von Erich Fried. Es beschreibt das Thema Wandel und die damit verknüpften Probleme, auch auf die Gesellschaft bezogen, und bringt es auf den Punkt.

„Wer will dass die Welt so bleibt wie sie ist, der will nicht dass sie bleibt.“

Wir fanden das Zitat sehr ansprechend, weil uns direkt einige Punkte im Bezug auf das Thema Wandel in den Kopf gekommen sind, die auch kritische Sichtweisen beleuchten. Woran denken wir, wenn wir an das Thema Wandel denken? Wandel ist ein sehr alltäglicher Begriff. Er fängt bei jedem/jeder Einzelnen von uns an. Unser ganzes Leben unterliegt einem ständigen Wandel, von der Geburt bis zum Tod. Viel wichtiger ist aber, dass wir im Laufe unseres Lebens unsere Einstellungen und unser Bewusstsein immer wieder wandeln und unsere Haltung kann in manchen Fällen sogar eine 180 Grad-Wende erfahren. Solch einen Wandel vorzunehmen, kann unter Umständen lange dauern und fordert Jede/n auf, sich darauf einzulassen.

Wandel im Kleinen kann zu Wandel im Großen führen und somit eine ganze Gesellschaft verändern, in jede erdenkliche Richtung natürlich. Nur durch Wandel können wir voranschreiten und bleiben nicht auf der Stelle stehen. Nicht auf der Stelle stehen bleiben, genau das ist das Ausschlaggebende, denn uns ist gerade im Bezug auf das Zitat aufgefallen, dass man gar nicht wollen kann, dass die Welt so bleibt, wie sie gerade ist. Denn das würde bedeuten, nichts gegen Armut, Hunger, Krieg, Klimakatastrophen und Naturzerstörung zu haben - zusammenfassend: nichts gegen Ungerechtigkeit und Missstände zu unternehmen, obwohl wir es eigentlich besser wissen müssten.

Gerade in der heutigen Zeit, in der die ganze Welt verknüpft ist und uns der Zugang zu Informationen zu jeder Zeit offen steht, wird uns in diesem Zuge eine ganz neue Verantwortung übertragen. Eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung zum Wandel also.

Rückführend auf das anfängliche Zitat ergibt sich also, dass man nicht Angst vor einem stattfindenden Wandel haben sollte, sondern Angst vor einem ausbleibenden Wandel, vor dem Stillstand.

Ein weiteres Zitat besagt: „Nichts ist so beständig, wie der Wandel.“ (Heraklit von Ephesus) Gemeint ist, dass das Leben aus Veränderung besteht und wir einem ständigen Wandel unterliegen, ob wir ihn wollen oder nicht. Daher müssen wir ihn erkennen und mit geeigneten Mitteln in die Richtung lenken, die uns richtig erscheint. Gerade unsere Generation, die alle Möglichkeiten dazu hat, den Blick in die Zukunft zu wagen, sollte sich unbedingt dafür einsetzen. Sie sollte sich Gedanken darüber machen, wie wir und auch zukünftige Generationen leben wollen. Ungeachtet dessen, was bisher durch andere unternommen oder auch nicht unternommen wurde, müssen wir uns für den Wandel entscheiden und uns mit ihm auseinandersetzen. Wegschauen ist keine Option, denn betroffen sind wir alle.

 

Um exemplarisch einige Aspekte des Wandels zu nennen, mit denen sich auch Projekte in dieser Woche beschäftigen, sei beispielsweise der Wandel unserer Gesellschaft genannt, der sich im Umgang miteinander äußert. Dem einzelnen Individuum wird immer mehr Beachtung geschenkt. Die Selbstverwirklichung und das Wohlfühlen in einer bestehenden Gesellschaft gewinnt mehr und mehr an Priorität.

Gewissermaßen brandaktuell sei der Wandel in Klima und Natur, der wider einiger Behauptungen anthropogen, also durch den Menschen verursacht wird, genannt. Bezogen auf den Klimawandel, gegen den unsere Generation durch die Friday’s For Future Bewegung bereits massiv vorzugehen versucht, hängt dieser Wandel stark mit den Bedingungen von Nachhaltigkeit und Verzicht zusammen. Nachhaltigkeit und Verzicht, diese beiden Punkte sind gleichzeitig auch eines der angesprochenen Probleme in der Gesellschaft bezüglich der „Wandelthematik“.Viele Menschen haben das Gefühl, auf zu viel Luxus verzichten zu müssen. Luxus der mit dem Wohlstand, wie wir ihn aktuell auch in Deutschland haben, einhergeht. Daraufhin leben zu viele in verschwenderischem Ausmaß, ohne sich wirklich mit den Konsequenzen auseinandergesetzt zu haben.

Gerade aus diesem Grund finden wir es großartig, wie eure Projekte auch die Nachhaltigkeit im Alltag und für jeden anwendbar thematisieren. Es reicht eben nicht, dass wir uns auf dem Verzicht auf Strohhalme ausruhen, und meinen, unseren ökologischen Fußabdruck ausgeglichen zu haben.

Aber nicht nur die ökologische Schiene, die der JGS ja gerne nachgesagt wird, ist vertreten:
Wir erleben durch die Globalisierung und der Verfügbarkeit von allem zu jeder Zeit auch einen kulturellen Wandel, der sich unter anderem in Lebensmitteln und unserer Art und Weise des Kochens zeigt. Gerichte aus aller Welt kann man einfach zu Hause nachkochen und eine Ahnung von der kulinarischen Seite unterschiedlicher Kulturen erlangen.
Nicht zuletzt geht unsere Garderobe mit der Zeit (oder auch in der Zeit zurück), sie ermöglicht Jedem und Jeder sich individuell auszudrücken. Manchmal sind Worte nicht angebracht oder auch einfach nicht genug, wenn es darum geht, Gefühle und Situationen darzustellen. Damit verbunden ist der Wandel von Kunst, Musik und Tanz und die Art und Weise sich damit in Verbindung zu setzen.

Wir haben Projekte, die den Wandel der Sprache und damit auch das Bewusstsein für Gendergerechtigkeit ansprechen, ein sehr aktuelles Thema. Denn die Gleichbehandlung der Geschlechter in der Sprache ist für eine erfolgreiche Gleichstellung unerlässlich. Auch hier muss die Bereitschaft in der Gesellschaft vorhanden sein, sich darauf einzulassen.

Weiter gibt es einige Projekte, die eine ganz andere Richtung von Wandel einschlagen:
Zum Beispiel
im sportlichen Bereich das Jugger-spielen
beim kreativen Ausleben in der Handarbeit
Im Wandel des Erscheinungsbildes der Schule
Oder in anderen Projekten bei gesellschaftlichem Beisammensein

Vieles davon und bestimmt auch vieles mehr hat sich auch die letzte Schüler*innenvertretung gedacht, als sie das Thema Wandel für die Projektwoche ausgewählt hat. Es ging damals um den beschleunigten Wandel, den wir heute erleben, wenn wir ihn mit dem der Generationen vor uns vergleichen und den Umgang damit. Welchen Wandel wünschen wir uns sowohl gesellschaftlich, als auch politisch und sozial?

Das Thema bietet sich besonders an, da es in der Schule darum gehen sollte, sich Gedanken über bestimmte Themen zu machen oder vielmehr, zu lernen, sich eine Meinung zu etwas zu bilden und diese auch gegenüber anderen zu vertreten. Angesprochen wird hier auch wieder ein Wandel des Bewusstseins, der „awareness“ gegenüber Problemen, die die Gesellschaft aktuell beschäftigen. Ein Wandel in unseren Köpfen, der nicht nur Bewusstsein schafft, sondern im besten Fall unser Bewusstsein um neue Aspekte und Ansatzpunkte erweitert.

Wir haben das Gefühl, dass besonders unsere Schule, die JGS, ein solches „Andersdenken“ beziehungsweise bewusstes Denken anregt und aus diesem Grund kann man fast behaupten, wir würden hier in einer „Blase“ (Bubble) leben. Allerdings kann es dadurch sein, dass wir hier bestimmte Probleme gar nicht so akut wahrnehmen, wie sie tatsächlich in unserer Gesellschaft vorliegen. Jetzt könnte man allerdings den Fehler begehen von sich auf andere zu schließen und denken, dass alle so handeln wie man selbst. Daher muss man sich genau das ins Bewusstsein rufen und sich darum bemühen eine Blase, ob sie denn existiert oder nicht, zum „Platzen“ zu bringen. Durch das Platzen kann sich gelebtes Bewusstsein auch auf andere übertragen und sie ebenfalls zum Nachdenken anregen, die Wahrnehmung auf weitere Bereiche ausgedehnt werden.

Also müssen wir uns mit der Frage beschäftigen, wie wir die angesprochene Blase, im Kleinen und im Großen zum Platzen bringen, und Menschen an unseren Gedanken teilhaben lassen.

Denn - wer hätte es gedacht, es folgt ein Zitat:

„Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern.“ (Afrikanisches Sprichwort)

Genau dafür ist die Projektwoche eine super Gelegenheit: sich Gedanken zu machen, wie wir erreichen können, dass Wandel beginnt beziehungsweise stattfindet. Wir wollen mit einer solchen Möglichkeit, die durch die Projektwoche geschaffen wird, versuchen, auch einen Wandel bei euch zu erreichen. Ein Wandel des Bewusstseins. Dieser kann sich in jeder erdenklichen Art äußern. Denn wie bereits erwähnt, ist „Wandel“ ein sehr vielseitiges Thema. Durch die vielen Projekte kann sich jede und jeder nach ganz eigenen Vorstellungen mit dem Thema befassen. Die Möglichkeiten sind kaum begrenzt.

Lasst uns in diesem Sinne gemeinsam etwas schaffen." 

Marieke Eichstädt, Jonathan Heinemann, Sarah Lorenzana

 

Davon, wie vielfältig gearbeitet wurde, konnte man sich bei der Projektpräsentation und bei der Abschlussveranstaltung in der Turnhalle überzeugen. Wer nicht dabei sein konnte, dem mögen die folgenden Bilder als kleiner Eindruck dienen.

 

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Fotos: Nick Ehrlich