Theateraustausch: "Haltung"

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Im gut gefüllten Schulthaterzentrum stellten am 16.1.2020 die Teilnehmer des deutsch-polnischen Jugentheateraustausches ihre beeindruckenden Ergebnisse vor. Im Folgenden finden sich die Berichterstattung der Kulturredaktion der HNA sowie Eindrücke des Abends.

 

Samstag, 18. Januar 2020, Hessische Allgemeine (Kassel-Mitte) / Kultur Kreis Kassel
Alles ist eine Frage der Haltung
50 Schüler gestalteten einen deutsch-polnischen Theaterabend
VON BETTINA WIENECKE

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Kassel – Aus moralischer, orthopädischer und politischer Sicht kann man es betrachten, das Thema Haltung. Beim Abschluss des deutsch-polnischen Jugendtheateraustausches war am Donnerstag der Blick auf die „Haltung“ das verbindende Motto. Viel Applaus gab es im voll besetzten Schultheaterzentrum in der Unteren Karlsstraße: 25 Schüler der Kasseler Jacob-Grimm-Schule und 25 Schüler des 1. Liceums Marcinek in Poznań (Posen) aus Polen präsentierten ihr Projekt, das erst am Sonntagnachmittag begonnen hatte.
In Workshops in der Evangelischen Akademie in Hofgeismar, wo sie durch den Studienleiter Pfarrer Uwe Jakubczyk mit einer Einleitung zum Thema Haltung begrüßt wurden, erarbeiteten die Schüler mit den Lehrern Ede Müller, Simon Aulepp und Jörg Gessner (Jacob-Grimm-Schule) und ihren polnischen Kolleginnen Wiesia Wójcik und Magda Marcinkowska Elemente der Musik, des Theaters und des Tanzes. Ania Jaremko war als Dolmetscherin aktiv. Barbara Evers aus Kassel leite die 16- bis 19-Jährigen in der Bewegungskunst Qigong an.
Der Abend begann mit gregorianischem Gesang, der – nachdem immer mehr Instrumente einstimmten – in den mitreißenden Klassiker „Hit the Road, Jack“ mündete. Das Weiterreichen einer Banane lockte im Anschluss immer mehr Darsteller, die alle schwarze Kleidung trugen, auf die Bühne. „Hier muss eindeutig Haltung gezeigt werden“, verkündeten sie auf Deutsch und auf Polnisch. Mit Zitaten der Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg haben sie sich beschäftigt, aber auch mit Malala Yousafzai, der Kinderrechtskämpferin aus Pakistan, sowie mit Goethes Hymne „Das Göttliche“. „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut“, sagen sie.
Die Tänzer ließen sich in ausgefeilten Choreografien zunächst von Vogelstimmen inspirieren, bogen einander dann in Form, entfernten sich wieder und flüchteten mit versagenden Beinen.
Der „Jail House Rock“ einte alle Akteure auf der Bühne, das Publikum war begeistert.
Als Beitrag zur europäischen Integration fördert die Kulturfabrik Salzmann seit 17 Jahren den internationalen Kulturaustausch im Rahmen der Deutsch-Polnischen Regionalpartnerschaft von Hessen und der Region Wielkopolska. Die Jugendbegegnungen werden vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk und dem Hessischen Ministerium für Soziales und Integration gefördert.

 

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„Ich war von dem Auftritt sehr mitgerissen und davon überrascht, wie das Team das Programm so schnell und gleichzeitig detailliert und selbstsicher auf die Beine stellen konnte. Das Thema "Haltung" war durchgängig das zentrale Thema und konnte, wobei viel Interpretationsspielraum gelassen wurde, absolut ästhetisch an Bedeutung gewinnen. Der Part, in dem die Schauspieler gesprochen haben, war besonders beeindruckend. Der Einstieg mit der Banane schien vorerst ziemlich banal, und eine gewisse Banalität und Rätselhaftigkeit zog sich auch konstant durch diesen Part - Aussagen hatten diesen andeutenden Charakter (oft habe ich sie als politische und gesellschaftliche Kritik interpretiert) und blieben dann sehr offen.
Wie "Haltung" musikalisch und tänzerisch unterstrichen wurde, war ebenfalls bemerkenswert. Die starke Stimme der Sängerin in Verbindung mit der instrumentalen Unterstützung, wie auch der wirklich selbstsichere, perfekt aufeinander abgestimmte Tanz beeindruckte.“ Belana Lembcke für die Schülerzeitung "Jacobs Blick"

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Fotos: Meike Bachmann